
27th Annual Conference, June 4-7, 2026
Das Projekt versteht Hoffnung als Kulturtechnik und politische Imagination im Spannungsfeld von Umbruch, Krise und Aufbruch. Dabei interessiert uns Hoffnung als konflikthafte Praxis zwischen Entwurf und (möglicher) Enttäuschung. Ziel ist es, historische Formen eines positiven Zukunftsbezugs sichtbar zu machen, in denen sich auch aktuelle Möglichkeitsräume öffnen. Im Zentrum steht die Frage, wie im Zeitraum von 1910 bis 1945 Hoffnung artikuliert, politisiert und organisiert, aber auch gewonnen oder zerstört wurde.
Welche Formen der Zukunftserwartung, aber auch welche Rhetoriken der Enttäuschung oder Resignation lassen sich erkennen? Mit welchen Beglaubigungsansätzen verbinden sich Hoffnungsdiskurse, um Horizonte des Wünschbaren zu bewahren? Medien und Kulturtechnikern verstehen wir dabei nicht nur als Speicher vergangener Kämpfe, tiefgreifender Umbrüche, politischer Polarisierung und konkurrierender Zukünfte, sondern als Räume kollektiver Imagination, in denen sich historische Möglichkeitsbedingungen ebenso spiegeln wie die Brüche und Paradoxien von Fortschritts- und Emanzipationsideen.
Der Hoffnung inhärent wäre so ein konstruktives Handlungspotenzial, das stets auch mit seiner eigenen Desillusionierung und Denunziation rechnen muss: „Hoffnung hat eo ipso das Prekäre der Vereitelung in sich: sie ist keine Zuversicht. Dafür steht sie zu dicht an der Unentschiedenheit des Geschichts- und Weltprozesses, als eines zwar noch nirgends vereitelten, doch ebenso nirgends gewonnenen.“ (Ernst Bloch 1985, 387)
Annual Topic 2025/26: Archeology of Hope
Venue: Universität Tübingen: Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft (LUI) Burgsteige 11 (Schloss) | 72070 Tübingen & Tübinger Forum für Wissenschaftskulturen (TFW) Doblerstraße 33 | 72074 Tübingen
Sponsored by Universitätsbund Tübingen e. V., Tübinger Forum für Wissenschaftskulturen, and Ludwig Boltzmann Institute for Digital History (LBIDH)
Das Internationale Forschungsnetzwerk BTWH legt einen monumentalen Band zur Zweiten Wiener Moderne in zwei Sprachfassungen vor.
Eine neue Gesellschaft auf demokratischer Grundlage, geprägt von Verteilungsgerechtigkeit und wissenschaftlicher Evidenz: Für diese Vision steht das Rote Wien als Chiffre. Wie baut man eine Stadt ohne Slums und Ghettos, wie gewährleistet man Gesundheitsversorgung für alle, wie schafft man ein sozial durchlässiges Bildungssystem? Das sind heutige Fragen als ferne Echos aus einer Zeit, in der politischer Gestaltungswille und Aufklärung eine fragile Allianz eingingen.
BTWH – The Emergence of Modernity ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das Forschungsgruppen an einer Vielzahl von Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen in den USA und in Europa umspannt.
BTW (als Abkürzung für die University of California at Berkeley, die Eberhard-Karls-Universität Tübingen, und für mehrere Institutionen in Wien) formierte sich erstmals 1998 am IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien unter Anstoß von Anton Kaes und Gotthart Wunberg. Im Jahr 2001 um die Harvard University erweitert, versammelt BTWH seither mehrere Generationen junger (und mittlerweile auch älter gewordener) Literatur-, Film- und Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Im Jahr 2013 kam eine eigene Gruppe an der University of North Carolina at Chapel Hill, hinzu, die am stärksten wachsende Gruppe ist jene der Freefloaters: Absolventinnen und Absolventen der Universitäten an den fünf genannten Hauptstandorten, die mittlerweile andernorts tätig sind.
Das Netzwerk, das sich durch die internationalen Karrieren seiner Mitglieder stark verzweigt hat, erweist sich trotz oder gerade wegen seiner dezentralen Organisation und seiner nur losen institutionellen Anbindungen als langlebig und außerordentlich produktiv.
Die jeweils unter einem Jahresthema stehenden, betont unabhängig von geläufigen Kanonisierungen ausgewählten Texte, Filme und anderen kulturellen Artefakte rund um den Begriff der Moderne werden in Jahreskonferenzen auf ihre gesellschaftliche Produktivität oder – mit Stephen Greenblatt gesprochen – auf ihre »zirkulierende soziale Energie« hin debattiert. BTWH kommt zwar nicht ohne verschiedene Denkrichtungen, aber als eine Art ‚Gelehrtenrepublik' ohne dominante Hierarchien und direkte Karriere-Anreize aus. Die Faszination des Projekts besteht im freien Spiel der Auflösung traditioneller Fach- und Denktraditionen, im Herstellen neuer (intertextueller und intermedialer) Verbindungen und schlicht im Vergnügen des Aufspürens, Entdeckens und Präsentierens überraschender Fundstücke.
Das Netzwerk kommuniziert über regelmäßige Treffen der Einzelgruppen, elektronische Medien und über jährliche Konferenzen an einem der beteiligten Standorte. Einzel- und Sammelpublikationen dienen einer Zusammenfassung bzw. Sicherung der Ergebnisse und ihrer Kommunikation an die wissenschaftliche Öffentlichkeit.