Mai 2003
Fünfte Jahrestagung in Tübingen.
Thema: Amerikanismus

Die Entscheidung des BTWH-Netzwerks für einen neuen Jahresschwerpunkt mit dem Titel Amerikanismus ist als theoretische und praktische Konsequenz der mehrjährigen kultursemiotischen Beschäftigung mit der Kategorie des Raumes zu verstehen. Denn das Thema Amerikanismus fokussiert gerade jenen übergreifenden Diskurszusammenhang, der als neuralgischer Punkt kulturwissenschaftlicher Raum-Studien erschienen war: die epistemologische Verflechtung zwischen Raum als geographischer und soziokultureller Entität zum einen und als intellektueller oder imaginativer Konstruktivität zum andern, welche die konkreten materiellen Größen erst zu einer genuin ‚bewohnbaren' und praktikablen Raumwelt integriert. Mit Blick auf dieses Spannungsfeld erweist sich das Konzept und Phänomen der Raum-Semiotiken geradezu als Paradigma kulturwissenschaftlichen Arbeitens überhaupt, als Analyse eines Feldes, das vor aller Unterscheidung von ‚real' und ‚imaginativ' / ‚fiktiv' zu liegen scheint (Castoriadis, Racial Imagination, 1994) und das als Möglichkeitbedingung jeglicher - historisch, kulturell, sozial und intellektuell bedingter, also kontingenter - Welt-Bilder zu gelten hat.
Mit dem Themenfeld Amerikanismus liegt nun dieser Kontext in gewissermaßen ‚pointierter Vielfalt' vor, zumal sich hier anhand des klar fixierten Denotats (‚Amerika') gerade die konnotative Variabilität und die kulturspezifische Verfügbarkeit von topologischen Konzepten idealtypisch erschließen läßt. Amerika -der von der alten Welt neu zu erschließende, neu zu ‚beschriftende' Kontinent - fungierte schon vor der konkreten Landnahme als Imaginationsraum par excellence, als dauerhafter Impetus zur Freisetzung von raumsemantischer Fülle.

 

[Source: http://btwh.net/btwh/Rueckblick.html]

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